Hasta la vista, Gravenreuth!

11 09 2007

„Die Allgemeinheit muss vor Ihnen geschützt werden.“ – so endete gestern, am 10.09.2007, die Verhandlung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten gegen eines der ältesten Feindbilder der Computer- und Internet-Szene, Günter Frhr. v. Gravenreuth.

TAZ: Wegen versuchten Betruges zum Nachteil der taz wurde Gravenreuth zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mann hatte die taz im Mai letzten Jahres abgemahnt, weil er angeblich unbestellt eine Bestätigungs-E-Mail für den taz-Newsletter erhalten hatte. Die taz hielt das „double-opt-in“-Verfahren für zulässig (dem Besteller wird eine Bestätigungs-E-Mail geschickt, den Newsletter erhält er fortan nur dann, wenn er die E-Mail zurücksendet: das Verfahren wird auch von Behörden, Ministerien, ja sogar von Gerichten verwendet).

Das Landgericht Berlin erwirkte indes auf Antrag Gravenreuths eine einstweilige Verfügung gegen die taz. Zugunsten von Gravenreuth wurde ein zu erstattender Betrag von 663,71 Euro festgesetzt, den die taz am 30. Juni 2006 zahlte.

[…]

Gleichwohl pfändete Gravenreuth am 13. Juli 2006 die Domain der taz (www.taz.de) und behauptete, auf den Kostenfestsetzungsbeschluss noch keine Zahlung erhalten zu habe.

Gravenreuth hatte sich schon in Zeiten des C64 u.a. dadurch hervorgetan, Kleinanzeigen in Computer- und anderen Magazinen zu schalten (und auf entsprechende Anzeigen zu antworten), in denen er, unter dem Pseudonym eines 15jährigen Mädchens, „Warez“ (Kopien lizensierter Software; „Raubkopien“) zum An/Verkauf oder Tausch anbot. Meldeten sich auf diese Offerten hin unbedarfte Interessenten, so wurden diese unter Androhung massiver Kosten und angeblich drohenden Freiheits- oder anderen Strafen eingeschüchtert und zur Abgabe von Unterlassungserklärungen – sowie zur Zahlung teils horrender Gebühren – aufgefordert und zu guter Letzt mit einer Strafanzeige bedacht.

Gravenreuth leitete damals die Unart des unverhältnismässigen Abmahnens ein – einer Unart, von der sich heutzutage nicht wenige Anwälte fast ausschliesslich „ernähren“. (Jüngstes Beispiel: Die Abmahnung gegen Akademie.de wegen Verwendung des Begriffs „GEZ-Gebühren“ u.a.)

Im Verlauf seiner weiteren Karriere wurde dieser „Rechtspfleger“, der seinem Berufsstand kaum zur Ehre gereicht, noch öfter auffällig. In einem Verfahren wegen Veruntreuung von Mandantengeldern bescheinigten Gericht und Staatsanwaltschaft ihm seine „äußerst herablassende Art, seine völlige Uneinsichtigkeit und sein fehlendes Unrechtsbewußtsein„. Diese Einschätzung traf wohl zu, wurde er im Jahr 2000 doch erneut verurteilt. Dieses Mal wegen Urkundenfälschung in 60 Fällen.

Endlich bleibt der Anwaltskammer wohl keine andere Möglichkeit mehr, als ihrem „ehrenwerten“ Mitglied die Zulassung zu entziehen – das wird aber auch verdammt nochmal Zeit!

 

 

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2 responses

12 09 2007
Das Biest in meinem Blog… « Sansibaar…

[…] Biest in meinem Blog… 12 09 2007 Als ich vor wenigen Minuten den Eintrag zu Gravenreuths Verurteilung zu einer Haftstrafe geschrieben habe, passierte etwas ziemlich merkwürdiges. Ich war dabei, einen […]

12 09 2007
Buffalo Bill

habe gelesen, er soll sich weggehängt haben, vor seiner Hundehütte in München soll ein Leichenwagen und Polizei gesehen worden sein… Was ist dran? Ist er wirklich platt?
Dann hätte er wenigstens einmal im Leben Charakter bewiesen…

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